HCM

Wir testen unsere Tiere, aber...

HCM ist eine Herzmuskelerkrankung, welche nicht nur die Maine Coon , sondern alle Katzen betreffen kann. Es gibt derzeit zwei Testmöglichkeiten zur Diagnosesicherung:

den Herzultraschall und einen Gentest.

Da aber beide Tests (selbst wenn negativ) nicht garantieren, dass das Tier nicht an HCM erkranken wird, halten wir nicht viel davon. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen Tiere, die obwohl sie das begünstigende Gen für den Ausbruch der Erkrankung nicht aufwiesen, dennoch an HCM erkrankten. Das liegt auch daran, dass ja nur 1 von ca. 150 Genen (oder mehr möglichen) getestet wird, auf welchen bei Katzen die HCM liegt! Dieses Testergebnis entspricht also einer diagnostischen "Sicherheit" von unter 1% (!) bezüglich der tatsächlichen Veranlagung des entsprechenden Tieres HCM zu bekommen bzw. zu vererben. Daher sind Tiere, die das Gen in sich trugen, nie an HCM erkrankt. Beim Ultraschall ist es genauso. Jahrelang gesund geschallte Tiere wurden trotzdem krank...

...also was soll man von solchen Ergebnissen halten?

Gentest negativ - Ultraschall positiv oder

Gentest positiv - Ultraschall negativ?

Da hat die Forschung wohl noch einiges zu tun...

Meine Meinung:

Auch Menschen tragen Gene für bestimmte Krankheiten in sich, d.h. die Krankheit kann ausbrechen - muss aber nicht. Der eine wird eben krank, der andere nicht. Auch das Wissen darum, macht uns nicht unerkrankbar. Es gibt für kein Lebewesen auf der Welt eine Garantie, dass es nie erkranken wird.

Dennoch verschließen wir uns nicht diesem "Trend"

und testen unsere Tiere auf HCM.

(Auf Wunsch testen wir auch Ihr Tier, vor Abgabe, gegen Kostenerstattung.)

Wir lieben unsere Tiere und tun alles für sie. Uns liegt nichts mehr am Herzen als die Gesundheit unserer Tiere und deren Nachkommen. Aber wo Sinn und Unsinn nicht eindeutig geklärt sind, handelt es sich meiner Meinung nach eher um eine Hysterie, als um einen echten Fortschritt. Wir hoffen sehr, dass es der Wissenschaft irgendwann gelingen wird, handfeste Beweise zu erbringen, wie man dieser Krankheit realistisch an den Kragen gehen kann.

Selbstverständlich werden wir, sollte dieser Fall einmal eintreten, ein HCM positives Tier sofort aus der Zucht nehmen. Schließlich ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.

Kurz zur Erläuterung der HCM und deren Testmöglichkeiten:

HCM (Hypertrophe Cardiomyopathie) wurde bei der Maine Coon am weitesten erforscht. Diese Krankheit kann unbemerkt im Tier schlummern, ohne auszubrechen, sie kann aber genauso sehr früh oder erst im hohen Alter zum Ausbruch kommen. Es wird zwischen primärer und sekundärer Erkrankung unterschieden. Bei der primären Erkrankung liegt die Ursache im Herzmuskel selbst - sie ist erblich, da es sich um einen genetischen Defekt handelt. Die Sekundäre wird meist durch Krankheiten ausgelöst die nicht erblich sind.

(Ich spreche in meinen Ausführungen von der erblichen Erkrankung.)

Eine Möglichkeit der Kontrolle ist der Herzultraschall.

Dieser ist aber immer nur eine Momentaufnahme. Eine Garantie, dass das Tier gesund bleibt, ist ein negativer Befund deshalb nicht. Daher sollte der Ultraschall alle 2-3 Jahre wiederholt werden. Es wird empfohlen Kater mit 2 Jahren und Kätzinnen mit 3 Jahren zu testen. In diesem Alter fände man entsprechende Veränderungen, da sich die Erkrankung in der Regel manifestiert hat. Spätere Erkrankungen seien bei der Maine Coon eher selten (aber nicht ausgeschlossen).

Die zweite Möglichkeit ist der Gentest (MYBPC3-Mutation)

Es wurde herausgefunden, das ein Gen eine Erkrankung an HCM begünstigen kann. Wohl bemerkt, begünstigen kann - nicht muss! Es könnten auch noch mehr Gene betroffen sein - die Forschung arbeitet bereits daran. Wenn wir mal überlegen, aus wie vielen Genen wir bestehen wird dies eine endlose Forschung? Dennoch ist man angehalten möglichst mit Tieren zu züchten, die dieses Gen nicht aufweisen.

Frage mich nur, was dann wird, wenn noch mehr Gene gefunden werden. Noch mehr Tiere werden aussortiert... irgendwann gibt es dann wohl nur noch Inzucht ?? Das würde dann wohl wieder neue Krankheiten hervorrufen...

Für kein Lebeweisen auf dieser Welt gibt es eine Garantie, dass es nie erkranken wird...!

Das bedeutet LEBEN.

Neuestes zum HCM-Gentest:

Von der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München wurde eine Studie zu den beiden in Deutschland verfügbaren Gentests auf HCM bei Maine Coons durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, dass der Gentest nichts bringt. Die Studie ergab, dass Maine Coons mit HCM genauso häufig positiv im Gentest getestet werden, als Maine Coons ohne HCM. Deshalb lohnt sich die Investition in einen Gentest einfach nicht. Nachfolgend haben wir das Ergebnis der Studie abgedruckt, die im Rahmen des Vortrags auf einem Fachkongress für Tiermediziner in Giessen präsentiert wurde.

Genetische Assoziation der A31P-und A74T-Polymorphismen mit der felinen hypertrophen Kardiomyopathie bei der Maine Coon

C. Schinner, K. Weber, K. Hartmann, G. Wess, Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Einleitung: Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste feline Herzerkrankung mit autosomal dominantem Erbgang und variierender Penetranz. Die A31P- und A74T-Polymorphismen (SNPs) im kardialen Myosin binding protein C3-Gen (MYBPC3) werden derzeit als kausale Mutationen bei Maine Coon-Katzen angesehen.

In der Praxis weichen Ultraschalldiagnosen häufig vom Genotyp ab. Von züchterischer sowie tierärztlicher Seite ist unklar, wie mit herzgesunden Genotyp positiven Katzen verfahren werden soll. Ziel der Studie waren deshalb die Evaluierung der klinischen Assoziation beider SNPs sowie die Beurteilung der klinischen Validität bereits vermarkteter Gentests.

Material und Methoden: 83 Maine Coon-Katzen und 68 Katzen unterschiedlicher Rassen gingen in die Studie ein. Weibliche Tiere mussten älter als 36 Monate, männliche älter als 24 Monate sein. Der Phänotyp „herzgesund“ oder „HCM“ musste eindeutig zuzuordnen sein. Die Phänotypisierung erfolgte mittels Herzultraschall, die Genotypisierung mittels Taqman® Genotyping Assays.

Ergebnisse: 21,13% der herzgesunden Tiere waren im Gentest positiv für den A31P- und 32,84% für den A74T-SNP. 75% der HCM-Gruppe trugen das gesunde Allel bezüglich des A31P- und 50% bezüglich des A74T-SNPs. Die Allelfrequenzen unterschieden sich zwischen den Phänotypgruppen nicht signifikant. Anhand der vorliegenden Studienpopulation bestand kein Hinweis, dass bereits vermarktete Gentests einen prädiktiven Wert besitzen. Eine computergestützte Proteinanalyse ordnete die Auswirkung der SNPs auf das Protein als benigne ein. Der A31PPolymorphismus ist spezifisch für Maine Coons, während der A74T-Polymorphismus auch bei anderen Katzenrassen vorkommt.

Schlussfolgerungen: Mit der untersuchten Patientenzahl wurde keine Assoziation zwischen der HCM und den untersuchten Polymorphismen gefunden.